SWR1: Urvertrauen - das Gefühl, gewollt zu sein
Die ersten Lebensjahre prägen ein Kind besonders. In dieser Zeit entsteht das Urvertrauen. Wird dieses Vertrauen früh enttäuscht, kann sich das durch ein ganzes Leben ziehen.

Die Wochenkrippen waren gesellschaftlich akzeptierte Kindesmisshandlung. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht ist klar, dass Wochenkrippen kein angemessener Ort zum Aufwachsen kleiner Kinder sind. In den ersten drei Lebensjahren haben Kinder nur eine begrenzte Kapazität, die Erinnerung an eine geliebte Beziehungsperson über eine längere zeitliche Trennung hinweg aufrechtzuerhalten. Das bedeutet, aus der Sicht der Kinder waren die Trennungen von ihren Eltern total, nach einer gewissen Zeit ohne Hoffnung auf Wiederkehr.
Die frühen Bindungsbeziehungen prägen unser Verhalten und Erleben ein Leben lang. Wiederholte und langanhaltende Beziehungsabbrüche in der frühen Kindheit können zu einem unsicheren inneren Bindungsmodell im Erwachsenenalter führen, etwa durch eine ausgeprägte Angst vor Trennung oder der Furcht vor Nähe und Intimität. Die Ergebnisse unseres Forschungsprojekt zu den ehemaligen Wochenkrippenkindern zeigen dies eindrücklich. Gleichzeitig bleibt das innere Bindungsmodell ein Leben lang durch korrigierende Beziehungserfahrungen veränderbar– sei es in Freundschaften, Partnerschaft oder in einer gelingenden Therapie.
Gerade für die frühe Entwicklung im ersten Lebensjahr ist der Körperkontakt existenziell wichtig, um eine sichere Bindung aufzubauen. Das gleiche betrifft die kontinuierliche emotionale Nähe. Die resultierenden Mangelzustände sind in der Wochenkrippe besonders heftig. Durch die Krippenzeit sind sehr wahrscheinlich seelischen Narben entstanden, die weiter zu erforschen sind. Die frühe Mangelerfahrung zu spüren und in der therapeutischen Beziehung zu betrauern, ist ein anzustrebendes Ziel.
In der Wochenkrippe erhält ein Baby nur ein Minimum an zuverlässiger und individueller Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge. Dafür bestimmen starre Abläufe, Massenversorgung, reizarme Umwelt und routinierte Abfertigung seinen Alltag. Es erlebt Einsamkeit statt Austausch, Anpassung statt Selbsterfahrung. Diese Mangel- und zugleich Stresssituationen hinterlassen lebenslange Spuren in den selbstregulierenden Systemen und in den emotionalen Fähigkeiten.
Auch wenn die Unterbringung in einer Wochenkrippe oder einem Wochenheim nach derzeitiger Rechtslage grundsätzlich nicht als rehabilitierungs- und entschädigungsfähiges Unrecht gilt, verdienen die Betroffenen, die heute als Erwachsene unter den psychischen Folgen der damaligen Wochenheimunterbringung leiden, mehr Wahrnehmung für ihre Anliegen in unserer Gesellschaft. Die SED-Opferbeauftragte hat dem Verein Wochenkinder e.V. hierbei ihre Unterstützung zugesagt.
Ich muss in die Wochenkrippe… Das ist so ein bisschen, wie Kinderheim mit Unterbrechung. Gerade dann, wenn man vergessen hat, dass man aus einer Familie stammt… Wochenkrippen sind das Geschenk des Ostens an die Psychotherapeuten des Westens.
In Drucksache 21/6840 des Deutschen Bundestages erwähnt die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Frau Evelyn Zupke, in einem Absatz die Wochenkinder im Jahresbericht 2026
Geschäftsstelle der SED-Opferbeauftragten
Selbshilfegrupper Rostock, jeden letzten Mittwoch im Monat, Treffpunkt variiert und wird nach Anmeldung bekannt gegeben. Anmeldung an meckpomm@wochenkinder.de
Dieser Online-Gesprächskreis ist für ALLE offen, unabhängig, ob die Wochenkrippe/das Wochenheim in Gotha gewesen ist.
Bei Interesse Anmeldung bitte über gotha@wochenkinder.de .
Der Link wird dann ein paar Tage vor dem Treffen per Mail zugeschickt.
Aufgrund des zeitgleichen Termins "Bundesweites Wochenkinder Jahrestreffen 2026" in Berlin, findet das Sept. Treffen bereits eine Woche früher statt.
Anmeldung über berlin@wochenkinder.de
Selbsthilfekontaktstelle Charlottenburg-Wilmersdorf
Bismarckstr. 101
10625 Berlin
Treffpunkt: Hybrid (in Präsenz und online). KISS Schwerin, Spieltordamm 9
Anmeldung: meckpomm@wochenkinder.de
Das hinterlässt Spuren - wenn Kleinstkinder ab dem Alter von sechs Wochen regelmäßig von ihren Eltern für fünf oder sechs Tage in die Wochenkrippe abgegeben werden. Über die Auswirkungen bis heute sprechen Betroffene in dieser offenen Gruppe vertrauensvoll miteinander.
Die Gespräche sind im Treffpunkt Rotebühlplatz und dort im "treffpunkt 50plus"
Mehr Infos gerne hier anfragen: stuttgart@wochenkinder.de
leipzig@wochenkinder.de
Teilnahme nur nach Anmeldung
Ort: Schenkendorfstraße 3
04275 Leipzig
Die ersten Lebensjahre prägen ein Kind besonders. In dieser Zeit entsteht das Urvertrauen. Wird dieses Vertrauen früh enttäuscht, kann sich das durch ein ganzes Leben ziehen.
Gera. Von „Jenny Marx“ bis „Rosenhügel“ – bekannte Orte treffen auf offene Fragen. Eine neue Ausstellung und Publikation dokumentieren, wie in Gera Kinder betreut wurden.
Ein Dauerstreitthema der Aufarbeitung ist die unterschiedliche Sozialisation in DDR und Bundesrepublik und ihre Folgen, sei es beim Aufwachsen in Familien, Kinderkrippen, Kindergärten oder Heimen. Wo beispielsweise gab es mehr Gewalt gegen Kinder, durch was wurde sie eher begünstigt?
Jan Josef Liefers erzählt von seiner Ketamintherapie im frühkindlichen Alter. Sandy Graf wurde von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben, und Bernd Liebenau kam bis zum Alter von sechs Jahren nur einmal im Monat zu seinen Eltern nach Hause. Sie stehen beispielhaft für die etwa 500 000 Wochenkinder in der DDR. Die Säuglinge von Alleinerziehenden, Schichtarbeiterinnen oder Künstlern wurden bereits im Alter von sechs Wochen abgegeben. Die Eltern wussten nicht, dass die Kleinkinder teilweise nachts fixiert wurden, Beruhigungsmittel bekamen oder krank in Isolierzimmer gelegt wurden. Viele dieser ehemaligen Wochenkinder leiden oft noch heute unter den traumatischen Folgen. Der Journalist und Bestsellerautor (»inside Tagesschau«) Alexander Teske hat nicht nur Therapeuten, Wissenschaftler und Betroffene befragt, er erzählt auch seine eigene bewegende Geschichte.
Allein gelassen: Alexanders Kindheit in der Wochenkrippe
Wochenkrippe
Gounodstraße 78
13088 Berlin
03.12.1962
"Am 3. Dezember 1962 wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Kleingartenanlage die Wochenkrippe „Smetana“eröffnet – als erster Investitionsbau des damaligen Bezirksamtes."
Heute Kita Kinderzeit
Wochenkrippe
Krugstege 2
13129 Berlin
mind. seit 1966
Betroffenes Kind
Wochenkrippe
Lessingstraße 12
09569 Oederan
Heute Kita "Sonnenland"
Frei Presse vom 10.06.2026: Von der Wochenkrippe zur modernen Kita „Sonnenland“